[...] Mit Liminality zeigt die Cooperativa Maura Morales eine kompromisslose, präzise Choreografie, die furchtlose Präsenz der Tänzer:innen und die inspirierende Live-Komposition von Michio Woirgardt verbinden sich zu einem unprätentiösen und umso wirkungsvolleren Werk von seltener Geschlossenheit. Es ist ein Tanzstück über das Dazwischen – und zugleich ein Plädoyer dafür, die Schwelle nicht möglichst schnell zu überwinden, sondern sie als Ort der Verwandlung auszuhalten.
[...] Das Erstaunliche ist, mit welcher Präzision Morales diese Instabilität komponiert. Viele zeitgenössische Arbeiten, die vom „Dazwischen“ sprechen, geraten in ästhetische Beliebigkeit. Liminality tut das nie. Jede Unterbrechung besitzt Gewicht, jede Beschleunigung eine dramaturgische Notwendigkeit. Man spürt, dass hier nicht improvisierte Unsicherheit gezeigt wird, sondern eine hochgradig strukturierte Choreografie des Kontrollverlusts.
[...] Einen wesentlichen Anteil an der Intensität des Abends hat die Live-Komposition von Michio Woirgardt. Seine Musik begleitet die Choreografie nicht, sie atmet mit ihr. Elektronische Klangflächen, rhythmische Impulse und abrupte Stille bilden eine zweite Ebene der Schwellen-Erfahrung. Besonders in der offenen Architektur des Innenhofs entsteht ein akustischer Raum, der sich ständig verändert: Klänge scheinen an den Mauern zu hängen, verschwinden im Himmel, kehren aus der Ferne zurück.
-> zum gesamten Artikel von Klaus Dilger für Tanzweb Krefeld










